Foto: Bilal Moazzam / PexelsFamiliennotfallplan: Checkliste für Eltern mit Kindern (PDF)
Vollständige Familiennotfallplan-Checkliste für Eltern: Treffpunkte, Kommunikation, Kinderausrüstung und psychologische Vorbereitung für den Krisenfall.
Warum Familien einen besonderen Notfallplan brauchen
Familien mit Kindern stehen im Krisenfall vor spezifischen Herausforderungen: Kinder können nicht selbstständig handeln, brauchen mehr psychologische Unterstützung, haben andere physiologische Bedürfnisse (Wärme, Kalorienverbrauch) und sind emotional viel stärker betroffen.
Dazu kommt: Kinder sind im Krisenfall oft nicht dort wo die Eltern sind – in der Schule, beim Sport, bei Großeltern. Ein Plan der das berücksichtigt ist essenziell.
Bereich 1: Kommunikation und Treffpunkte
Treffpunkte definieren
- Treffpunkt 1 – Direkt ums Haus: Bushaltestelle, Nachbarseinfahrt
- Kinder ab 7 Jahren kennen diesen Ort: Ja □
- Adresse/Beschreibung: _______________
- Treffpunkt 2 – Weiter weg: Schule, Supermarkt, öffentliches Gebäude 500 m entfernt
- Adresse: _______________
- Treffpunkt 3 – Fernkontakt: Oma, Verwandte in anderem Ort
- Adresse: _______________
Schule und Betreuung
- Schulnotfallplan kennen: Was macht die Schule bei Evakuierung?
- Kontakt der Schule gespeichert: _______________
- Abholberechtigung schriftlich festgelegt: Wer darf Kind im Notfall abholen?
- Name 1: _____________ Telefon: _____________
- Name 2: _____________ Telefon: _____________
- Krippe/Kita Notfallkontakt: _______________
Kommunikationsregeln für Kinder
- Eigene Telefonnummer des Kindes eingerichtet (ab ca. 8–10 Jahren)
- Mama und Papa Nummer auswendig bekannt
- Notfallnummer 112 bekannt
- Kinderhandy im Notfallrucksack des Kindes oder stets dabei
- Code-Wort vereinbart: "Wenn jemand Fremdes sagt, Papa schickt mich, erkenne das mit Codewort X"
- Codewort: _______
Bereich 2: Kindernotfallausrüstung
Rucksack für jedes Kind (Größe angepasst)
- Wasser: 0,5 Liter pro Kind
- Snacks: Lieblingsriegel, Nüsse, Gummibärchen (Kinder essen unter Stress bevorzugt Bekanntes)
- Warme Kleidung: Extra-T-Shirt, warme Socken, Handschuhe
- Kleine Taschenlampe: Kinder lieben Taschenlampen, sie beruhigen
- Beruhigungsobjekt: Kleines Kuscheltier oder Lieblingsgegenstand (reduziert Stress enorm)
- Kinderspezifische Medikamente: ADHS-Medikation, Antihistaminika, etc.
- Identifikationskarte: Laminierte Karte mit Kind-Name, Elternnamen, Telefonnummern
Für Kleinkinder und Babys
- Windeln und Feuchttücher: 48h-Vorrat (2–3 Packungen)
- Babynahrung / Beikost: 48h-Vorrat (Gläschen, Brei)
- Flaschen und Trinksauger: 2 Stück
- Schnuller: 2 Stück (Beruhigung)
- Lieblingsdecke: Vertrauter Geruch beruhigt immens
- Tragesystem: Babytrage für schnelle Evakuierung mit Baby
- Sonnenschutz und Mückenschutz: Baby-geeignet
Bereich 3: Medizinische Besonderheiten Kinder
- Medikamentenliste aller Kinder: Wirkstoff, Dosis, Häufigkeit, Notfallkontakt Kinderarzt
- Kinderarzt-Kontakt gespeichert: _______________
- Kindergerechte Erste-Hilfe-Ausrüstung:
- Paracetamol Saft (nicht Tabletten für Kleinkinder)
- Fiebermessgerät (Ohr oder Stirn für Kleinkinder)
- Pflaster mit Motiven (Kinder lassen sich damit leichter behandeln)
- Eispad (für kleine Beulen und Stürze)
- Allergien dokumentiert: _______________
- Notfallmedikamente (z.B. Epipen bei Anaphylaxie): In Rucksack, Kind UND Betreuungspersonen wissen Anwendung
Bereich 4: Psychologische Vorbereitung
Kindergerechte Kommunikation
- Notfallszenario altersgerecht erklärt: Kinder ab 4 Jahren verstehen einfache Szenarien
- Beispiel: "Manchmal geht der Strom aus. Dann haben wir Taschenlampen und essen besondere Dinge."
- Kein Erschrecken: Notfallübungen als Spiel gestalten
- Fragen beantworten: Kinder stellen viele Fragen – ruhig und ehrlich antworten
Stresszeichen bei Kindern erkennen
Normal im Krisenfall:
- Mehr Weinen, mehr Anklammern
- Regressives Verhalten (wieder Daumen lutschen)
- Schlafprobleme
Ernstes Zeichen:
- Nicht mehr essen
- Vollständige emotionale Abschottung
- Extreme Angstreaktionen auf normale Reize
Umgang:
- Körperkontakt (Kuscheln, Tragen beruhigt)
- Routine aufrechterhalten so weit möglich
- Spielerische Aktivitäten auch in der Krise
Übungsformat für Kinder: "Das Krisenspiel"
- Einmal jährlich: Kurze Probe-Evakuierung als Spiel
- "Wir spielen Evakuierung! Wer findet zuerst den Rucksack?"
- Treffpunkt 1 gemeinsam zu Fuß aufsuchen
- Belohnung: Kleines Eis danach macht die Übung positiv besetzt
Bereich 5: Betreuungsnetzwerk
Notfall-Kinderbetreuer
- Person 1 – Nah: Nachbar, Großeltern, enge Freunde Name: _____________ Telefon: _____________
- Person 2 – Fern: Falls lokale Krise alle betrifft Name: _____________ Telefon: _____________
- Beide Personen kennen die Kinder und sind mit dem Plan vertraut
Gegenseitige Hilfe
- Andere Familien aus der Nachbarschaft kennen deinen Plan
- Gegenseitige Vereinbarung: Ihr nehmt eure Kinder, wir unsere
Bereich 6: Jährliche Überprüfung
- Treffpunkte sind Kindern noch bekannt (aktiv fragen, nicht nur erinnern)
- Rucksackgröße und -inhalt an Kindsalter angepasst
- Kontaktliste aktuell (neue Kindergarten/Schulkontakte)
- Medikamentenliste aktualisiert
- Notfall-Tierbetreuer und Kinderbetreuer noch verfügbar
Der beste Familiennotfallplan ist der, den alle Familienmitglieder – auch die kleinen – kennen. Erkläre ihn heute mit einem kurzen "Krisenspiel".




