Foto: Jakub Zerdzicki / PexelsKeller als Schutzraum einrichten: Schritt-für-Schritt Anleitung
Wie du deinen Keller als einfachen Schutzraum einrichtest: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Beschuss, radioaktiven Fallout und andere Extremszenarien.
Warum ein Keller als Schutzraum?
Deutschland hat keine öffentlichen Schutzräume mehr (die letzten wurden in den 1990ern aus dem Zivilschutzprogramm genommen). Der eigene Keller ist für viele die einzige zugängliche Schutzalternative. Und für die meisten realistischen Szenarien — Bombenangriffe, Fallout, Extremwetter — bietet ein gut vorbereiteter Keller erheblichen Schutz.
Schritt 1: Deinen Keller bewerten
Was macht einen guten Schutzraum aus?
- Unterhalb der Erdoberfläche: Entscheidend für Schutz vor Beschuss, Fallout und Explosion
- Betonwände und -decken: Stärkerer Schutz als Ziegelmauerwerk
- Mehrere Ausgänge: Mindestens zwei Fluchtwege
- Keine großen Fensterflächen: Fenster sind Schwachstellen
Typische Kellerkategorien in Deutschland
| Kellertyp | Schutzwert | Maßnahmen |
|---|---|---|
| Betonkeller Neubau | Hoch | Geringe Modifikation nötig |
| Ziegelkeller Altbau | Mittel | Verstärkung möglich |
| Leichtbau/Fertigkeller | Niedrig | Begrenzte Eignung |
| Ohne Keller | — | Innerster Raum im EG nutzen |
Schritt 2: Abdichtung vorbereiten
Fenster und Luftschächte
- Alle Kellerfenster mit Holzplatten (18-20mm) von innen vernageln
- Luftschächte mit feuchten Tüchern und Plastikfolie abdichten
- Türspalten mit Klebeband abdichten
Material: Sperrholzplatten (Baumarkt, 20-30 Euro), Klebeband (breit, stark haftend), Plastikfolie.
Türen abdichten
Kellertür zur Straße hin:
- Tür von innen mit Sandsäcken oder gestapelten Kisten sichern
- Türspalten mit Klebeband und feuchten Tüchern abdichten
- Wenn möglich: Zweite Tür (Windfang-Prinzip) für bessere Abdichtung
Schritt 3: Grundversorgung einrichten
Wasservorrat
Lagere im Keller:
- Mindestens 10 Liter Trinkwasser pro Person (3-5 Tage)
- Kanister verschlossen und kühl gelagert
- Wasserreinigungstabletten als Backup
Lebensmittelvorrat
- Konserven für 3-5 Tage (kein Kühlungsbedarf)
- Knäckebrot, Nüsse, Energieriegel
- Manuelle Dosenöffner (nicht elektrisch)
Beleuchtung
- Batteriebetriebene Taschenlampen (2-3 Stück)
- Reservebatterien
- Kerzen als Backup (vorsichtig in geschlossenen Räumen)
- Stirnlampen für freie Hände
Kommunikation
- Kurbelradio oder batteriebetriebenes Radio
- Aufgeladenes Smartphone
- Liste mit Notrufnummern auf Papier
Schritt 4: Hygiene und Sanitär planen
Im Extremfall mehrere Stunden oder Tage im Keller:
- Eimer mit Deckel als Nottoilette
- Katzenstreu für Geruchsminimierung
- Einmalhandschuhe und Handdesinfektionsmittel
- Feuchttücher für Körperpflege
Schritt 5: Medizinische Notversorgung
- Verbandskasten (vollständig bestückt)
- Schmerzmedikamente (Paracetamol, Ibuprofen)
- Persönliche Medikamente (für alle Haushaltsmitglieder)
- Rettungsdecken (goldene Folie, 2 Stück)
Schritt 6: Psychologische Vorbereitung
Stunden oder Tage in einem engen Raum sind psychisch belastend. Plane ein:
- Beschäftigung: Bücher, Kartenspiele, Sudoku
- Kinderbeschäftigung (falls zutreffend)
- Ruhige Atmosphäre: Decken, Kissen
Checkliste: Schutzraum-Grundausstattung
| Artikel | Menge | Kosten |
|---|---|---|
| Sperrholzplatten für Fenster | nach Bedarf | 30-60 € |
| Klebeband (breit) | 3 Rollen | 10 € |
| Plastikfolie | 10 m² | 10 € |
| Wasserkanister (10L) | 3 Stück | 20 € |
| Konserven (5 Tage) | nach Personen | 50-100 € |
| Batterie-Taschenlampen | 3 Stück | 30 € |
| Batterien AA/AAA | Packung | 20 € |
| Kurbelradio | 1 Stück | 40 € |
| Eimer mit Deckel | 1 Stück | 10 € |
| Katzenstreu | 5 kg | 5 € |
| Verbandskasten | 1 Stück | 20 € |
| Rettungsdecken | 4 Stück | 15 € |
Gesamtkosten: ca. 260-340 Euro für eine vollständige Grundausstattung.
Was ein Keller NICHT kann
Sei realistisch über die Grenzen:
- Direkter Treffer durch schwere Waffen: Kein Schutz
- Langer Aufenthalt (über 2 Wochen): Problematisch durch Luft, Abfall, Psychologie
- Gegen atomare Strahlung auf Dauer: Nur Kurzzeit-Schutz
Der Keller als Schutzraum ist eine sinnvolle Ergänzung zur Krisenvorsorge — kein Ersatz für einen professionellen Bunker, aber für die meisten realistischen deutschen Szenarien ausreichend.




