Foto: Markus Winkler / PexelsRegenwasser lagern und aufbereiten: Günstige DIY-Lösung für zuhause
Regenwasser sammeln und aufbereiten: So baust du dir eine günstige DIY-Lösung für die Krisenvorsorge auf, die unabhängig vom Leitungswasser funktioniert.
Regenwasser ist kostenlos, fällt regelmäßig und ist überall verfügbar. Für die Krisenvorsorge kann eine Regenwasseranlage die perfekte Ergänzung zu deinem Trinkwasservorrat sein – vorausgesetzt, du weißt wie man es sicher aufbereitet.
Warum Regenwasser für die Krisenvorsorge?
In einer Krise mit ausgefallener Wasserversorgung hast du drei Optionen: Vorräte aufbrauchen, Wasser aus Bächen filtern oder Regenwasser sammeln. Regenwasser hat einen entscheidenden Vorteil: Es fällt direkt bei dir an, ohne dass du es transportieren musst.
Deutschland erhält durchschnittlich 700 Liter Niederschlag pro Quadratmeter und Jahr. Ein Hausdach von 100 m² sammelt rechnerisch 70.000 Liter pro Jahr – mehr als genug für eine Familie.
Wichtig: Regenwasser ist nicht automatisch Trinkwasser. Es enthält Schwebstoffe, Bakterien und je nach Umgebung Schadstoffe. Eine Aufbereitung ist zwingend notwendig.
DIY-Regenwassersammlung Schritt für Schritt
Was du brauchst
- IBC-Container (1000 Liter, ca. 50-80 Euro gebraucht) oder Regenfass (200-300 Liter)
- Dachrinnenanschluss mit Weiche
- Grobfilter (Mesh 1mm) für Blätter und Grobpartikel
- Feinfilter (Keramikfilter oder Hohlfaserfilter)
- Wasserdesinfektion (Chlortabletten, UV-Gerät oder Kochen)
- Frostsicherung für Winter
Schritt 1: Sammelstelle einrichten
Die Dachfläche ist dein Sammelbecken. Nicht alle Dachmaterialien sind gleichwertig:
- Ideal: Glas, Edelstahl, unbehandelte Ziegel
- Akzeptabel: Beschichtete Ziegel, Betonpfannen
- Vermeiden: Kupferdächer (Kupfereintrag), Dachbahnen mit Bioziden
Installiere eine Dachrinnenweiche, die das Wasser entweder in die Kanalisation oder in deinen Sammelbehälter leitet. Der sogenannte "First Flush" – die ersten 2-3 Liter nach Regenbeginn – ist am stärksten verschmutzt und sollte abgeleitet werden.
Schritt 2: Filtration einbauen
Mehrstufige Filtration ist der Schlüssel:
- Grobfilter: Hält Blätter, Äste und groben Schmutz zurück. Regelmäßig reinigen.
- Feinfilter: Keramik- oder Hohlfaserfilter entfernt Bakterien, Parasiten und Trübung.
- Aktivkohlefilter: Optional, verbessert Geschmack und entfernt organische Verbindungen.
Schritt 3: Desinfektion für Trinkwasser
Gefiltertes Regenwasser muss vor dem Trinken desinfiziert werden:
- Abkochen: 3 Minuten sprudelnd kochen, zuverlässigste Methode
- Chlortabletten: Nach Herstellerangabe, günstiger Notfall-Standard
- UV-Stift (SteriPen): Sehr effektiv, braucht Strom oder Batterien
- Natriumhypochlorit: 8 Tropfen 3%ige Lösung pro Liter Wasser, 30 Minuten einwirken lassen
Gesetzliche Lage in Deutschland
In Deutschland ist das Sammeln von Regenwasser zur Eigennutzung in der Regel erlaubt. Einschränkungen gibt es vor allem in Gebieten mit besonderen Regelungen (z.B. Trinkwasserschutzgebieten). Das Einleiten in die Kanalisation kann kostenpflichtig sein.
Regenwasser darf nicht ans Trinkwassernetz angeschlossen werden – das ist eine klare Vorschrift nach DIN EN 1717.
Kosten einer DIY-Regenwasseranlage
| Komponente | Kosten |
|---|---|
| IBC-Container 1000L (gebraucht) | 50-80 € |
| Dachrinnenweiche | 15-30 € |
| Grobfilter + Feinfilter | 30-80 € |
| UV-Desinfektion (optional) | 50-100 € |
| Schläuche und Anschlüsse | 20-40 € |
| Gesamt | 165-330 € |
Das entspricht etwa 0,30-0,60 Euro pro Liter Lagerkapazität – deutlich günstiger als fertige Regenwasseranlagen für 1.000-3.000 Euro.
Wartung und Hygiene
Eine Regenwasseranlage braucht regelmäßige Pflege:
- Monatlich: Grobfilter reinigen
- Vierteljährlich: Feinfilter prüfen, ggf. tauschen
- Jährlich: Sammelbehälter reinigen und desinfizieren
- Vor Winter: Anlage entleeren oder frostsicher isolieren
Für was eignet sich Regenwasser ohne Aufbereitung?
Unbehandeltes Regenwasser kann direkt verwendet werden für:
- Gartenbewässerung
- Toilettenspülung (mit separater Zuleitung)
- Autowäsche
- Wäsche (nur Vorwäsche oder Außentextilien)
Für alles, was mit dem Körper in Berührung kommt – Trinken, Kochen, Zähneputzen, Wunden reinigen – ist eine vollständige Aufbereitung Pflicht.
Fazit: Regenwasser als Krisenvorsorge-Option
Eine DIY-Regenwasseranlage ist eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Wasserbevorratung. Sie liefert eine potenziell unbegrenzte Quelle für Brauchwasser und – nach korrekter Aufbereitung – auch Trinkwasser.
Der Aufwand ist überschaubar, die Kosten moderat, und du schaffst eine echte Unabhängigkeit von der öffentlichen Wasserversorgung. Kombiniert mit einem Keramikfilter und Desinfektionstabletten hast du eine robuste Notfalllösung für längere Krisenszenarien.
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