Foto: Towfiqu barbhuiya / Pexels12 Erste-Hilfe-Tipps für Situationen wenn kein Arzt verfügbar ist
12 praktische Erste-Hilfe-Tipps für Krisenszenarien ohne Arzt: von Wundversorgung bis Herzreanimation, erklärt für medizinische Laien.
Wenn du der Erste auf dem Platz bist
In einer ernsthaften Krise – Blackout, Massenunfall, Naturkatastrophe – können Minuten entscheiden. Der Rettungsdienst ist möglicherweise Stunden entfernt oder völlig überlastet. In diesem Fenster bist du die Erste Hilfe. Diese 12 Tipps helfen dir, richtig zu handeln.
Tipp 1: Ruhe bewahren und die Lage einschätzen
Bevor du handelst:
- Bist du selbst in Gefahr? (Strom, Gas, einstürzende Teile)
- Wie viele Verletzte gibt es?
- Was ist die dringlichste Verletzung?
Atme tief durch. Panik verschlechtert deine Entscheidungen. Mentale Kontrolle ist die wichtigste Erste-Hilfe-Ressource.
Tipp 2: Notruf immer zuerst – auch wenn du Erste Hilfe leistest
112 ist der europäische Notruf. Ruf an, auch wenn du annimmst dass Leitungen überlastet sind. Lass es klingeln. Beauftrage eine andere Person: "Sie dort in der roten Jacke – rufen Sie 112, bleiben Sie in der Leitung!"
Gib an: Was ist passiert? Wo genau? Wie viele Verletzte? Wie schwer verletzt?
Tipp 3: Lebensbedrohliche Blutungen als erste Priorität behandeln
Eine starke arterielle Blutung führt in 3–5 Minuten zum Tod. Alles andere ist sekundär.
Erkennen: Hellrotes Blut das rhythmisch schießt (Arterie), oder sehr starke dunkle Blutung.
Vorgehen:
- Tourniquets sofort oberhalb der Verletzung anlegen (nur bei Extremitäten)
- Falls kein Tourniquet: So viel Druck wie möglich direkt auf die Wunde, nicht nachlassen
- Zeitpunkt des Tourniquet-Anlegens notieren (wichtig für Ärzte später)
Tipp 4: Bewusstsein richtig prüfen
AVPU-Schema (international anerkannt):
- A – Alert: Wach, spricht normal
- V – Voice: Reagiert auf Ansprechen
- P – Pain: Reagiert nur auf Schmerzreiz (Fingernagel drücken)
- U – Unresponsive: Keine Reaktion
U = Notfall, P = dringend. Beide brauchen sofort professionelle Hilfe.
Tipp 5: Atemwege sichern bei Bewusstlosen
Person bewusstlos aber atmet:
Stabile Seitenlage:
- Arm der zugewandten Seite ausstrecken (im rechten Winkel)
- Gegenüberliegenden Arm über Brust legen, Hand unter Wange
- Knie der oberen Seite anwinkeln
- Person sanft zur Seite rollen
Warum: Bewusstlose können an Erbrochenem ersticken. Seitenlage hält Atemwege frei.
Tipp 6: Herzdruckmassage ohne Angst vor Fehlern
Wenn jemand nicht atmet: Sofort beginnen. Jede Minute ohne CPR senkt die Überlebenschance um 10%.
Vereinfachte Methode (Hands-Only CPR):
- Hände auf Brustmitte
- 5–6 cm tief drücken
- 100–120 mal pro Minute
- Nicht aufhören bis Rettungsdienst übernimmt oder Person atmet
Perfekte Technik ist weniger wichtig als überhaupt beginnen. Du kannst keine Rippe brechen und das Leben retten – das ist gut.
Tipp 7: Verbrennungen richtig kühlen
Kühlen: Ja. Aber richtig:
- Sofort unter fließendem, lauwarmem (15–20°C) Wasser kühlen
- 15–20 Minuten lang
- Eiskalt oder Eis: NEIN – verursacht zusätzliche Gewebeschäden
- Butter, Öl, Zahnpasta: NEIN – verursacht Infektionen
Danach: Locker mit sterilem Verband abdecken. Blasen nicht aufstechen.
Tipp 8: Unterkühlung von innen heraus behandeln
Was hilft:
- Person aus der Kälte bringen
- Nasse Kleidung entfernen (zieht Wärme)
- In Decken einwickeln – Wärme halten, nicht erzwingen
- Warme (nicht heiße) Getränke geben wenn Person ansprechbar und schlucken kann
- Körperkontakt: Warmblüter teilen Wärme direkt
Was nicht hilft (und schadet):
- Alkohol (erweitert Blutgefäße, erhöht Wärmeverlust)
- Reiben (kann bei schwerer Hypothermie Herzrhythmusstörungen auslösen)
- Heißes Bad (Schock möglich)
Tipp 9: Vergiftungen erkennen und erste Schritte
Typische Krisenfall-Vergiftungen:
- Kohlenmonoxid (CO): Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit – alle Betroffenen gleichzeitig
- Nahrungsmittelvergiftung: Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen
CO-Vergiftung: Sofort frische Luft, 112, Person in stabile Seitenlage wenn bewusstlos.
Giftnotruf: 030 19240 (Berlin, 24h) für telefonische Beratung.
Tipp 10: Knochenbrüche ruhigstellen, nicht richten
Bei Verdacht auf Bruch:
- Bereich nicht bewegen
- Ruhigstellen: Dreieckstuch als Schlinge (Arm), Schiene aus Brett + Verband (Bein)
- Niemals versuchen den Knochen "einzurenken"
- Schmerzmittel geben wenn vorhanden
Offene Brüche (Knochen durchbricht Haut):
- Nur steril abdecken, nicht berühren
- Sofort 112 – erhöhtes Infektionsrisiko, chirurgische Versorgung nötig
Tipp 11: Schock erkennen und behandeln
Schock (Kreislaufschock) ist ein lebensbedrohlicher Zustand wenn zu wenig Blut zu den Organen gelangt.
Zeichen:
- Blasse, kalte, feuchte Haut
- Schneller, schwacher Puls
- Schnelle, flache Atmung
- Verwirrtheit, Unruhe
- Starkes Durstgefühl
Maßnahmen:
- Person hinlegen
- Beine hochlagern (außer bei Brust- oder Kopfverletzungen)
- Warm halten mit Decken
- Nichts essen oder trinken geben (OP könnte nötig sein)
- Wundursache bekämpfen (Blutung stoppen)
Tipp 12: Wissen testen und aktualisieren
Theorie ist nicht genug. Kauf dir ein Erst-Hilfe-Dummy und übe CPR. Mache alle 2 Jahre einen Auffrischungskurs. Lege deine Hausapotheke so an, dass du das Equipment weißt anzuwenden.
Erste Hilfe ist eine Fähigkeit wie Schwimmen: Man hofft sie nie zu brauchen, ist aber dankbar wenn man sie hat.
Erste-Hilfe-Kurs buchen: DRK, ASB, ADAC, Johanniter bieten bundesweite Kurse für ca. 35 Euro an.




